kauftregional.at

Viele regionale Geschäfte und Dienstleister kämpfen mit großen Verlusten und bangen um ihre Existenz, während Online-Händler Milliardengewinne verzeichnen. Verärgert über diese Tatsache, hat Initiator Roland Bamberger die österreichweite Internetplattform „kauftregional.at“ quasi übers Wochenende erschaffen. Wie die Plattform funktioniert, welches Feedback den sympathischen Obertrumer seitdem erreicht hat, welche positiven Veränderungen er sich in Zukunft erhofft und wie er persönlich mit der Situation umgeht, verrät er im Interview mit „Zukunft ist Thema“. 

Er hat es sofort gespürt: „Als die Krise losging, habe ich von vielen meiner Unternehmer-Kollegen mitbekommen, was das für sie bedeutet. Auch bei meiner eigenen Tätigkeit hat sich die Situation sofort bemerkbar gemacht.“ Roland Bamberger, der sich beruflich mit der Entwicklung von Hotelportalen beschäftigt, wollte helfen und dem wirtschaftlichen Negativtrend entgegensteuern. Mitte März kam dann die zündende Idee: „Ein Freund von mir hat ein Sportgeschäft. Er hat sofort auf alternative Verkaufsformen umgestellt und ich habe bemerkt, wie gut das ankommt“, schildert der Salzburger und war überzeugt, „Ich fand die Idee so super, dass ich mir dachte: Hey, das sollten doch alle wissen! Das müssen wir verbreiten.“

 

„In so einer Situation musst du schnell handeln“

Bestärkt haben ihn zudem die parallel veröffentlichten Positiv-Schlagzeilen der Online-Anbieter: „Als ich gelesen habe, dass Amazon aus dieser Krise Milliardengewinne scheffelt, habe ich sofort begonnen, meine Idee umzusetzen.“ Und das machte er, so schnell er konnte: Quasi übers Wochenende war kauftregional.at registriert, entworfen und veröffentlicht. „Ich wusste, wie wichtig es in so einer Situation ist, schnell zu handeln“, so Bamberger. Wie funktioniert seine Plattform denn nun? „Jedes österreichische Unternehmen kann sich kostenlos eintragen. Danach werden Abklärungen getroffen: Welche Produkte werden angeboten? Gibt es einen Lieferservice? Wenn ja: In welchem Umkreis? Wie sieht es mit Zahlungsmöglichkeiten aus?“, erklärt er.

 

„Wir arbeiten gerade an der optimierten Suche“

Nicht nur Philosophen wissen: Wer gut sein will, darf nicht aufhören, besser zu werden. Ein Leitsatz, den sich auch Bamberger zu Herzen nimmt: „Die Plattform wird stetig verbessert. Gerade arbeiten wir an einer optimierten Suche.“ Diese sei gerade in Homeoffice-Zeiten sehr gefragt. „Viele Menschen arbeiten von zuhause aus und sind auf technische Geräte angewiesen. Was also tun, wenn auf einmal der Drucker eine neue Patrone braucht oder mein Headset kaputt ist? Hier kommt die schnelle und optimierte Suche ins Spiel. Sie erweist sich als wichtiges und zeitsparendes Tool in dieser ohnehin schon sehr aufwühlenden Zeit“, freut sich Bamberger, helfen zu können.

 

„Viele Unternehmen konnten sogar neue KundInnen gewinnen“

Und die Erfolge können sich sehen lassen: „Die Plattform ist sehr gefragt. Innerhalb weniger Tage hat sich die Zahl der registrierten Unternehmen verdreifacht: Aktuell sind über 1.600 regionale Anbieter und deren Produkte bzw. Dienstleistungen zu finden“, ist er stolz. Ob es schon Feedback gab? „Das Feedback ist überragend“, strahlt Bamberger, „Ich bekomme viele berührende Anrufe und nur positives Feedback. Menschen bedanken sich bei mir und viele erzählen mir, dass sie durch die Plattform sogar ganz neue KundInnen gewinnen konnten. Das bestärkt mich und macht mich sehr glücklich.“

 

„Auch DienstleisterInnen sind willkommen“

Für „Zukunft ist Thema“ hat der gebürtige Obertrumer auch tiefere Einblicke in seine Plattform ermöglicht: So ist – entgegen den meisten Vermutungen – nicht die Lebensmittelbranche am stärksten vertreten. Bamberger: „Tatsächlich ist es so, dass die meisten Anfragen von Unternehmen aus den Bereichen der Körperpflege, Kosmetik und Mode kommen. Hier sind es vor allem viele kleine Geschäfte, die die Plattform für sich nutzen. Erst danach folgt die Lebensmittelbranche.“ Doch nicht nur regionale Geschäfte sind die Zielgruppe von kauftregional.at, sondern auch DienstleisterInnen: „Natürlich sind auch DienstleisterInnen herzlich willkommen. Besonders Coachings oder Steuerberatungen sind aktuell sehr gefragt.“

 

„Jeder Cent, der in Österreich bleibt, ist wichtig!“

„Das ist eine schwere Frage“, gesteht der Initiator, als wir ihn um seine Einschätzung bezüglich der Entwicklung der wirtschaftlichen Situation bitten. „Wenn wir in zwei Jahren wieder das Vorjahrsniveau erreicht hätten, wäre das toll.“ Und dazu ist die Wahl von regionalen Produkten ein entscheidender Faktor. „Jeder Cent, der in Österreich bleibt, ist wichtig. Wir müssen alle zusammenhalten“, so Bamberger. Seine Plattform war ursprünglich nur für die Überbrückung der Corona-Zeit gedacht. Diese Idee sei längst verworfen, verrät der Familienvater und erklärt: „Das Denken und das Kaufverhalten der Menschen wird durch die Krise hoffentlich bewusster und regionaler. Ich möchte auch darüber hinaus ein Service bieten, das es ermöglicht, Produkte und Dienstleistungen in der Umgebung einfacher zu finden und somit bequemer nutzbar zu machen.“ Als Zukunftsvision erwähnt Bamberger einen in die Plattform integrierten Shop.

 

„Nicht mit dem Pyjama vor den Computer“

Wir haben Bamberger, bei dessen Telefoninterview wir im Hintergrund fröhliche Kinder herumtollen hörten, nach seinem persönlichen Tipp für die herausfordernde Corona-Zeit gefragt. „Ganz klar“, schießt es aus ihm heraus, „unbedingt die normale Routine beibehalten!“ Und er fügt lachend hinzu: „Auch mit den Kindern. Die erste Woche war sehr chaotisch, aber eine Routine hat mir sehr geholfen. Vor allem nicht mit dem Pyjama vor den Computer setzen.“ Und aus der Krise kann der lebensfrohe Salzburger auch etwas Positives für sich gewinnen: „Ich habe schon immer sehr auf Regionalität meiner Produkte geachtet. Nachdem wir diese Herausforderung gemeistert haben, werde ich das aber noch intensiver tun.“